Warum gibt es eine Wildsaison?

Wildbret gibt es nur in bestimmten Monaten frisch und auch dann nicht in unbegrenzten Mengen. Das ist in der heutigen Zeit, in der nahezu alles ständig verfügbar ist, für Viele ungewohnt. Wir möchten Ihnen erklären, welche Gründe es dafür gibt.

Wann hat Wild in Deutschland überhaupt Saison?

Rehe und Hirsche dürfen in Deutschland in der Regel von Mai bis Januar gejagt werden. Auch innerhalb dieser Saison gibt es allerdings genaue Vorgaben, das heißt, es dürfen nur bestimmte Rehe und Hirsche erlegt werden. Wildschweine dürfen ganzjährig gejagt werden, aber auch hier gibt es gewisse Einschränkungen. Dazu weiter unten mehr.

Die Jagdsaison gibt die Verfügbarkeit von frischem Wild vor. Tiefgefroren ist es natürlich unabhängig davon verfügbar. Allerdings sind auch hier die Mengen, insbesondere von heimischem Wild, begrenzt.

Die Natur bestimmt die Jagdbedingungen

Im Sommer und bis in den Herbst hinein tragen die Bäume dichtes Laub und das Gras steht hoch – diese Bedingungen erschweren die Jagd. Neben einigen wenigen Wochen gleich zu Beginn der Saison im Frühling, beginnt die Hauptzeit der Jagd daher im Oktober und erreicht ihren Höhepunkt im November und Dezember, wenn die Vegetation karg geworden ist und man im Wald und auf den Freiflächen einen freien Blick hat. Zu dieser Jahreszeit darf, wenn man die gesamte Jagdsaison betrachtet, außerdem das meiste Wild erlegt werden, das heißt die Chancen steigen, auch tatsächlich erfolgreich zu sein. Zur Waidgerechtigkeit, die bestimmte Tiere zu bestimmten Zeiten zusätzlich schont, weiter unten mehr.

Während der Schonzeit darf nicht gejagt werden – und auch während der Jagdsaison nicht alles

Grund Nummer eins, warum es Schonzeiten gibt, ist ganz klar: Muttertiere dürfen nicht erlegt werden! Also weder trächtige Tiere noch Mütter mit Jungtieren. Hier kommt der Jagdschein ins Spiel, der auch “grünes Abitur” genannt wird: Jäger durchlaufen eine gründliche Ausbildung, ehe sie mit dem Gewehr in den Wald dürfen. Dazu gehört es auch, das Geschlecht und Alter der Tiere zu erkennen und die Anzeichen dafür, ob ein Tier trächtig ist oder gerade Junge säugt.

Selbst während der oben genannten Jagdsaison dürfen also nur ganz bestimmte Tiere geschossen werden. Im Frühjahr und Sommer zum Beispiel nur sogenannte Schmalrehe, die noch zu jung sind, um bereits Nachwuchs zu haben, sowie die männlichen Rehböcke. Die Jagdzeit für Ricken, also weibliche Tiere im gebärfähigen Alter, beginnt erst im September. Grundsätzlich gilt natürlich: Der Jäger muss sich an die behördlich definierten Abschusspläne halten.

Der zweite Grund für Schonzeiten lag einst in der Nahrungsknappheit begründet, die es in den Wintermonaten gibt, während der man den Wildtieren unnötigen Stress ersparen möchte. Inzwischen muss man fast sagen: gab. Denn eine geschlossene Schneedecke über Monate hinweg ist selten geworden. Außerdem ist das Futterangebot aufgrund riesiger landwirtschaftlicher Flächen heute so üppig, dass die Tiere sich leicht einen Vorrat für die mageren Monate anfressen können. Die Lebensbedingungen für Wild sind in Deutschland inzwischen so gut, dass wir in unseren Wäldern eine der größten Wilddichten Europas haben!

Wildschwein darf ganzjährig bejagt werden – und ist trotzdem nicht immer verfügbar

Warum gibt es für Wildschweine keine Schonzeiten? Eine berechtigte Frage. Natürlich gilt auch hier: Muttertiere dürfen nicht bejagt werden. Grundsätzlich ist es aber so, dass es sehr viele Wildschweine in unseren Wäldern gibt, weil sie inzwischen allerbeste Futterbedingungen vorfinden, sie aber zugleich sehr schwierig zu erlegen sind. Stellen Sie sich einmal eine Wildschweinrotte im nachtdunklen, belaubten Wald vor. Die Tiere mit ihrem dunklen, borstigen Fell sind kaum zu erkennen. Dazu kommt, dass die Tiere sehr schlau und vorsichtig sind. Eine realistische Chance bei den meist nachtaktiven Tieren hat man als Jäger nur bei Vollmond und wenn Schnee liegt. Eine “Schonzeit” ergibt sich bei Wildschweinen also im Prinzip von ganz alleine.

Jagd ist nicht planbar und braucht viel Geduld

Selbst ein erfahrener Jäger, der sein Revier in- und auswendig kennt, kann nicht auf Bestellung ein bestimmtes Wildtier liefern. Viele Menschen haben die Vorstellung, man müsse einfach in den Wald gehen und könne dort ein Tier schießen. Tatsächlich ist die Jagd mit unzähligen Stunden des Wartens verbunden, und das nicht nur, wie oben beschrieben, bei den Wildschweinen. Eine Studie der Wildforschungsstelle des Landes Baden-Württemberg hat den Aufwand für den Ansitz, also die Zeit, die der Jäger bis zum Abschuss des Tieres im Wald verbringt, auf 29,5 bis 60,6 Stunden für ein einziges Wildschwein berechnet. Oft bekommt ein Jäger gar nichts zu sehen. Und selbst wenn, bedeutet das noch lange nicht, dass er genau dieses Reh oder Wildschwein auch erlegen darf. Denn es gelten, auch während der eigentlichen Jagdsaison, die oben skizzierten Grundsätze der Waidgerechtigkeit.

Die Rückkehr des Wolfes in unsere heimischen Wälder hat die Jagd übrigens noch unplanbarer gemacht. Denn sowohl die pelzigen Jäger als auch die mit dem Gewehr beobachten die Wildwechsel im Wald und die Gewohnheiten der Beutetiere und werden so zur direkten Konkurrenz. Es kann passieren, dass ein ganzes Rudel gerade vor einem Wolf geflüchtet ist und der Jäger in seinem Revier tagelang nichts zu Gesicht bekommt.

Deutsche Wälder sind voller Wild – und trotzdem gibt es nur eine begrenzte Menge an Wildbret

Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland etwa 1,25 Millionen Rehe erlegt, 600.000 Wildschweine, 77.000 Rothirsche und 65.000 Damhirsche. Das erscheint auf den ersten Blick unglaublich viel. Allerdings liefern Wildtiere im Verhältnis sehr viel weniger Fleisch als die hochgezüchteten Tiere der auf Effizienz getrimmten Fleischindustrie. Man denke nur an Geflügel mit überdimensionalen Brustpartien oder Schweinen mit zusätzlichen Wirbeln, die hinzu gezüchtet wurden, damit sie noch mehr Fleisch ansetzen. Bei Wildtieren, egal welcher Art, liegt der Fleischanteil bei etwa 35-40% des gesamten Körpergewichts (ohne Innereien). Würde man das erjagte Wild auf die Gesamtbevölkerung verteilen, so bekäme jeder 500 Gramm Fleisch im Jahr ab. Der tatsächliche Fleischkonsum liegt in Deutschland jedoch bei rund 60 Kilogramm pro Jahr.

Ab sofort esse ich nur noch Wildbret. Geht das überhaupt?

Viele Menschen, die ihren Fleischkonsum ganz bewusst, aus ökologischen oder ethischen Gründen, reduzieren wollen, kaufen gerne Wild, weil es aus guten Gründen inzwischen als “das bessere Bio” gilt. Wenn es aus heimischen Wäldern kommt, am besten aus der Region, hat es obendrein eine bessere Ökobilanz als die meisten Fleischersatzprodukte. Natürlich freuen wir uns, wenn Sie sich für unsere handwerklich hergestellten Wildprodukte entscheiden. Unser Plädoyer lautet trotzdem ganz klar: Zurück zum Sonntagsbraten! Auch wenn wir ausschließlich Wild und dazu Fleisch vom Weiderind essen.

Weiteres Wissenswertes

Warum kann unser Wildfleisch nicht so billig sein wie im Supermarkt?

Was an der Supermarktkasse wenig kostet, hat an anderer Stelle seinen Preis – sei es in Form von Umweltschäden, Agrarsubventionen, die wir mit unseren Steuern bezahlen, oder weil wir auf Geschmack verzichten. Die Philosophie von Waldgourmet ist eine andere. Welche Faktoren den Preis bestimmen, zu dem Sie unser Wild kaufen können, erzählen wir Ihnen hier.

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